Koordinaten:
Erstzulassung 30.04.2008, Verkauf 10.10.2012, Nutzungsdauer 4.5 Jahre, Kilometerleistung 64'965

Motor / Getriebe / Verbrauch

Der Motor ist ein absoluter Rennmotor mit spürbarer 16 V und Turobcharakteristik. Unter 2'000 Touren ist "Funkstille", darüber kommt zünftig Wind in den Kamin.
Die Kraftreserven ermöglichen jederzeit überall souveränste Fahrmanöver. Man steht nie an; es sei denn, die Elektronik vermelde grad einen Partikelstau im DPF. Dann werden die Zügel gezogen, und der Meiler wird sofort runter gefahren. Wenn auch nur für 1-2 sec. Dumm, wenn man grad am "kein Vortritt" einen Zwischenspurt einlegen und eine Lücke nutzen will. "Dä da hine hät ja au Brämse", ist wohl der einzige Gedanke, der dann weiter hilft.
Das Drehmoment ist bärig, beinahe schon gewaltig, bisweilen gar brutal, wenn es sich über die Vorderräder hermacht.
Der Treibstoffverbrauch ist stark von der Fahrweise abhängig: Gleiten überland oder auf der Autobahn wird mit Verbräuchen um 5 l belohnt. Viel Wandler"moulinieren" im Winter heisst 8-9 l. Stop-and-go im Stadverkehr ist nicht DAS Einsatzgebiet dieses Fahrzeuges. "Heizt" man auf der Autobahn über 120 Sachen, steigt der Verbrauch wegen der hohen Front auch wahrnehmbar an, hier ist Mässigung eine gute Tugend, will man den Schnitt nicht "vermüllen".
Beim gemischten Einsatz (je 1/3 überland, Autobahn und Kurzstrecke Agglo) über die Gesamt­fahrstrecke ist 7 l / 100 km sehr angemessen. Will man weniger, ist die handgeschaltete Version mit ca. 5 l / 100 km oder der 1.5 dci - EDC im Scénic III zu bevorzugen

Unterhaltskosten

Der DPF erfordert bei Baujahr 2008 eine jährliche Wartung. Der Schiffsdiesel versenkt inklusive Ölfilter über 7 l des 25 CHF /l teuren Vollsynthetik 5 W 30 Öls. Zu Beginn war nur das Castrol Magnatec zugelassen.
So sind die jährlichen Service - Basiskosten ohne Teile bereits bei 200 CHF nur für den Schmierstoff. Da das aber noch nicht alles ist, kostet ein Service 500-800 CHF. Im Jahr! Die Servicekosten sind unverhältnismässig hoch!
Die Bereifung wird aufgrund des hohen Fahrzeugleergewichts von knapp 1.8 t sowie des frontlastigen Antribs eher hochgradig verschlissen. Ich habe im Jahr 4 sowohl den Winter- als auch den Sommerreifensatz erneuert.
Sommerreifen waren Conti Sport Contact Erstausrüstung - ein brettharter Reifen ohne Vorteile in irgendeiner Beziehung: Wenig Komfort, hoher Verschleiss. Er wurde durch einen Dunlop SP Fastresponse ersetzt. Dieser Reifen rollte geschmeidig und sparsam, der Verschleiss war allerdings markant.
Winterreifen hatte ich von der Garage einen Michelin Alpin A2, der war schon einen Winter gefahren. Den tauschte ich gegen den Conti Winter Contact TS 830 P. Es wäre keine bessere Wahl möglich gewesen. Komfort, Verschleiss, Verbrauch, Schneetraktion, Verhalten auf Eis - nur Bestwerte.

Garantie / Kulanz

Im dritten Garantiejahr ereignete sich im September 2010 ein kapitaler Getriebeschaden, der das Fahrzeug für 2 Wochen immobilisierte. "S' hät s' Diff putzt" kam - aber nur auf hartnäckige Nachfrage - als spärliche Info rüber.
Im Frühjahr 2012 bestand ich darauf, dass der Sitzbezug Fahrerseite unter Kostenanteilübernahme Renault ausgewechselt würde. Er war an der Sitzwange links vom ein- und aussteigen abgescheuert, und das Innenpolstermaterial begann hervorzuquellen.
Unzählige Kleinmängel, an die ich mich gar nicht mehr alle erinnere, wurden unter Mithilfe meines lokalen Garagisten in Ordnung gebracht.
Nach dem Getriebetausch stellte sich im Vorderwagen ein Zittern ein, das sich auf Dauer nicht mehr beseitigen liess. Von den Sachverständigen wurde es als "Schönheitsfehler" taxiert. Wir verloren im Lauf der Zeit in dem Mass das Vertrauen in die Lanzeithaltbarkeit des Antriebsstranges, wie diese Vibrationen stärker wurden. Ungeachtet der Bereifung und ungeachtet mehrfachen aus- und nachwuchtens, nahmen diese Vibrationen permanent zu und unterminierten eine vertrauensvolle Langzeitbindung.

Fahrverhalten

Das Fahrzeug ist unhandlich und stark kopflastig. Fährt sich ein "kurzer" Scénic 2.0 dci handgeschaltet beinahe schon handlich und agil, wirkt der "Lange" schwergewichtig, wie ein "Schiff auf hoher See". Zahlreiche und bisweilen heftige seitliche Torkelbewegungen vermitteln ein wenig verbindliches Gefühl. Die Fahrsicherheit ist allerdings ausnahmslos gewährleistet.

Komfort

Mit Zuladung und auf französischen Landstrassen ist der Fahrkomfort angenehm geschmeidig. Gullideckel und kurze Schläge jedwelcher Art sind der Federung ungenehm und werden 1:1 an die Passagiere durchgereicht.
Der Geräuschkomfort nimmt im Lauf der Zeit ab, da die Dämmmaterialen altern. Sie sind teilweise sehr sparsam eingesetzt und minimalistisch verarbeitet (z.B. die Dämmschutzeinlagen in den hinteren Radhäusern, deren "Innenleben" man betrachten kann, wenn man den Wagen auf der Hebebühne von unten in Augenschein nimmt).

Karosserie

Der Unterboden präsentiert sich in neuwertigem Zustand. Da hat Renault zu den Besten aufgeschlossen. Das Chassis an sich ist noch für lange gut. Keine Verwindungen, alles robust.

Die Karosserie / Lackierung ist ebenfalls hochwertig. Der Lack ist genügend dick aufgetragen und übersteht auch die leider üblichen Parkhausrempler ohne wüste Blessuren. Die in Wagenfarbe lackierten Stossleisten an den Karosserieaussenkanten sind wenig sachdienlich. Ein Tribut an die "Modeanforderungen", denn schwarze "bouclier" sind völlig out. Aber man sieht jeden Kratzer!

Innenausstattung

Die Sitze und Stofftürverkleidungen zeigen, dass sie benutzt worden sind. Der Lehnenbezug des Fahrersitzes wurde unlängst ersetzt, er war bereits "durchgeribscht". Auch die Türverkleidung auf der Beifahrerseite ist von einem kleinen Schnittli beschädigt. Der Rücksitzbereich ist noch i.O, wurde auch nur wenig benutzt.
Die Sitze selber sind sehr nachgiebig geworden, sodass wir uns vor ca. einem Jahr zum Erwerb von "Tergofit" Sitzschalen für die Rückenlehne entschieden haben. Das war fürs Kreuz eine gute Sache. Der Seitenhalt wich von wenig auf inexistent.

Ausstattung

Dickes Lob einmal mehr für das wunderbare Panorama - Glasdach, dessen vorderer Teil aufgestellt oder in 3 Stufen geöffnet werden kann. Die Mechanik des Daches hat uns nie ganz befriedigt. Man konnte es noch so fachmännisch mit noch so spezifischem Renault Fett warten, es lief nie rund, sondern schüttelte sich beim öffnen immer wie wenn es was dagegen hätte, betätigt zu werden.
Die beiden Scheiben können auf der Innenseite auch gegen die Sonne verdunkelt werden. Allerdings muss man für das hintere aussteigen, denn es ist ein manuell zu bedienendes Rollo billigster Machart; ebenso hell und verschmutzungsfreudig wie der weisse Dachhimmel auch.
Die Plasticteile im Inneren haben würdig mitgehalten und sind in einem gepflegten Zustand. Nix knarzt oder ächzt, das war nicht bei allen Renaults so!

Nutzwert / Variabilität / Alltagstauglichkeit

Der Laderaum ist im Handumdrehen ausgeräumt. Die Sitze sind zwar "labberiger" verarbeitet als beim Scénic I, aber im Gegensatz zum Scénic III können sie immer anstandslos aus- und auch wieder eingebaut werden. Die Sitze wiegen gewichtig, für den ehemaligen Chauffeur sind sie noch tragbar. Besonders handlich sind sie allerdings nicht, und ihre Eignung für Stapelbarkeit ist ebenfalls wenig ausgeprägt (eigentlich gar nicht vorhanden).
Sind die Sitze raus, eröffnet sich eine veritable "Turnhalle". Was da drin nicht Platz hat, muss in den LKW. Der Grand Scénic ist und bleibt ein Raumwunder. Mehr Raum auf 4.5 m Aussenlänge bietet keiner.

Zuverlässigkeit

Anspringen Motor: Jederzeit vorbehaltlos möglich, auch bei -20 Grad.
Elektrik / Elektronik: Diverse "Zicken", insbesondere im Zusammenhang mit dem Dieselpartikelfilter DPF. Droht der zu "verkoksen", wird mitunter ohne Vorwarnung Leistung nicht bereit gestellt - oft genau dann, wenn man sie braucht z.B. beim knappen einfahren in eine befahrene Hauptstrasse.
Irgendwie hat es der Wagen zum zweifelhaften Ruf eines "Lämplikillers" gebracht. In den ersten drei Jahren hat es im Zweimonatstakt Lämpli "putzt". War deshalb eine besondere Sache, weil der Motorraum komplett zugebaut ist und es schon einer enormen Fingerfertigkeit bedarf, um die Lämpli raus- und wieder rein zu fummeln. Beim Standlicht hatte ich einige Übung, das Abblendlicht liess ich immer von der Garage wechseln. Seit der Montage eines Spannungswächters hat sich die Lage beim Abblendlicht gebessert: Der letzte Wechsel datiert vom 08.07.2011.

Zentralverriegelung / Fernbedienung: Diverse Fehlfunktionen beim Hecktürgriffsensor, v.a. wenn Batterien in der Chipkarte nicht mehr voll "fit": Bis 5x versuchen, bis die Öffnung erfolgt. Viel Spass!

Gesamturteil

  • konzeptionell überzeugender Van der Kompaktklasse mit höchster Variabilität und Einsatztauglichkeit
  • eindeutig übermotorisiert (bietet mehr als genug Leistungsreserven)
  • BVA - 6 von der Abstimmung her überarbeitungsbedürftig (Wandlermoulinieren, Schaltpunkte)
  • teuer im Unterhalt (Jahresservice wegen DPF)
  • insgesamt zuverlässig (Motor), aber unberechenbar (Getriebeschaden, Elektronik)
  • sparsam im Dieselverbrauch